50 Jahre Evangelium per Radio von der Karibikinsel Bonaire

TWR-Bonaire: Am 1. Oktober 1964 lief die erste Sendung

Wetzlar/Kralendijk (ERF). Seit 50 Jahren strahlt die internationale Radiomission TWR christliche Sendungen über ihre Station auf der Karibikinsel Bonaire (Niederländische Antillen) aus. Bonaire liegt in der südlichen Karibischen See, etwa 100 Kilometer der Küste von Venezuela vorgelagert. Die Insel der Flamingos und Korallen ist 35 Kilometer lang und bis zu 10 km breit. Der südliche Teil ist mit weit gestreckten Salzfeldern bedeckt, während der Norden mit seiner teilweise bewaldeten Hügellandschaft einen lieblichen Anblick bietet.

Bei amerikanischen und europäischen Touristen ist die Insel vor allem wegen der Flamingos, dem Korallentauchen und der Leguane beliebt. Die Lage in der Karibik beschert zudem eine angenehme jährliche Durchschnittstemperatur von 28 Grad. Hauptstadt ist Kralendijk, zu Deutsch "Korallendeich", die einzige Hafenstadt der Insel. Die Holländer eroberten die Insel im Jahr 1636 und nutzten die Naturvorkommen für ihren Salzbedarf in der Heringsfischerei. Holländischer Einfluss ist noch immer sehr augenscheinlich in der Architektur und in den Sitten und Bräuchen.

Sechs Kilometer außerhalb der Stadt Kralendijk hatte TWR die Radiostation zunächst mit einem 500 Kilowatt starken Mittelwellensender errichtet. Am 1. Oktober 1964 ging der Sender offiziell in Betrieb. Im Frühjahr 1965 folgte auch die Kurzwelle, die nach 28 Jahren Einsatz im Juni 1993 wieder abgeschaltet wurde.

1963 begannt TWR mit dem Aufbau der Radiostation. Vor dem Sendestart hatten die Techniker errechnet, dass der Sender am Tage bis zu 1.500 Kilometer Reichweite habe, nachts könne man die Sendungen auch noch in einer Entfernung von bis zu 3.500 Kilometer gut aufnehmen. Doch schon bald kamen Empfangsberichte aus Finnland (9000 Kilometer), Argentinien (7.000 Kilometer), Kanada (4.500 Kilometer). ERF Medien (Wetzlar) als deutscher TWR Partner und seine Hörer beteiligten sich damals an der Finanzierung der Anlage. Am 25. und 26. Februar 1965 wurde TWR Bonaire im Beisein der damaligen Kronprinzessin Beatrix, später Königin der Niederlande, und des TWR Gründers Paul Freed (1918 – 1996), eingeweiht.

Auch unter den Philatelisten in aller Welt wurde der Radiosender bekannt. 1970 gab die Regierung der Niederländischen Antillen anlässlich des fünfjährigen Bestehens von TWR Bonaire zwei Briefmarken mit den Motiven der Sendestation heraus.

Im Jahr 1999 wurde ein neuer 100 Kilowatt starker Sender errichtet, der den bisherigen 500 Kilowatt starken Sender ersetzt. Der ERF und seine Hörer beteiligten sich schon zu Beginn an der Finanzierung der Anlage. Heute werden vom ERF mitfinanzierte Programme über den Sender auf Bonaire für Mittel- und Südamerika  ausgestrahlt. Derzeit plant TWR die Sendeleistung der Mittelwelle wieder auf 450 Kilowatt auszubauen, um die 100 Millionen Einwohner der Region besser zu versorgen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Erreichen der Bevölkerung auf der Insel Kuba. Nahezu jeder 11,2 Millionen Einwohner des kommunistisch regierten Inselstaates kennt die christlichen Programme. Über die Mittelwelle 800 kHz wird in den Sprachen Englisch, Portugiesisch und Spanisch sowie in den Indianerdialekten Macuxi und Baniua für Stämme in Brasilien gesendet. Dazu unterhält TWR noch eine UKW-Station, die in Englisch, Holländisch, Spanisch und in der kreolischen Sprache Papiamento christliche Sendungen verbreitet.

Deutsche und Schweizer im Einsatz

40 Jahre lang, vom August 1966 an, waren die beiden Deutschen Bernie und Udo Lüsse im Auftrag des ERF auf Bonaire tätig. Zudem war der Schweitzer Techniker Hans-Peter Wirth einige Jahre für die Sende- und Antennentechnik verantwortlich. Das Antennenfeld für die Kurz- und Mittelwelle war zeitweise auf 23 Sendemasten angewachsen. Sie galt es jährlich mehrfach vom Salz der Insel zu befreien und neu zu streichen. Dabei hatten die Mitarbeiter mit Schwankungen der Masten von bis zu sechs Metern in luftiger Höhe von etwa 180 Metern zu kämpfen.

Sendestation rettet aus Seenot

Aus den Anfangsjahren der Radiomission auf Bonaire wird berichtet, dass drei Seeleute durch die Sendesignale gerettet wurden. In der Karibik war das Schiff "MS Anna" mit allen Seeleuten an Bord gesunken. Die Suchaktion nach Überlebenden verlief erfolglos. Drei Wochen später landete ein Schlauchboot mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord auf Bonaire, darunter der 24jährige Kapitän. "Gott hat uns gerettet. Gott hat unsere Gebete erhört", waren seine ersten Worte. In all den Tagen ihres hoffnungslosen Dahintreibens hatten die Männer die christlichen Sendungen der Radiostation TWR Bonaire gehört und daraufhin beschlossen, Tag und Nacht zu beten. Die Schiffbrüchigen konnten sich an dem Signal des Senders orientieren und gelangten so an Land.

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