Acht Stunden BibelTV am Stück

(Medienmagazin pro) Eine Teilnehmerin des Journalismus-Kurses der Hamburger Akademie für Publizistik hat sich dieser Herausforderung gestellt. Für die Themenwoche „Glaube“ bekamen die Nachwuchsjournalisten der durchaus nicht explizit christlichen Journalisten-Schule immer wieder Aufgaben zum Thema Religion. Wir wissen das, weil unser Redaktionsmitglied Nicolai Franz einer der 20 Teilnehmer ist.

Die Kursteilnehmerin Anna hat es gewagt: Was passiert mit einem, wenn man acht Stunden am Stück BibelTV guckt? „Werde ich im Laufe des Tages zum Hardcore-Katholiken?“ Über Twitter teilte sie der Welt unter dem Namen @woodelidoo mit, wie es ihr bei dem Medien-Experiment erging. „Singende Opis in Smokings! Ich brech ab. Will tanzen, sofort!“ lautete ihr Einstieg, den sie wie jeden Tweet mit den Hashtags #BibelTV und #glaube_HH“ versah.

Bei einer weiteren Musik-Show twitterte sie: „Diese Retro-Gospelshow ist um einiges unterhaltsamer als #Wettendass!“ Bei einer Bibel-Zeichentrickserie jauchzte sie: „Juchuuu, jetzt wird‘s spannend.“ Und auch der Animationsfilm über eine kleine Schildkröte schien ihr einigermaßen zu gefallen, auch wenn sie den Bezug zum christlichen Glauben nicht ganz nachvollziehen konnte. „Aber endlich mal was zum laut lachen.“ Unterm Strich scheint ihr Selbstversuch keine schlimmeren Verletzungen hinterlassen zu haben. Wenig überraschend: Die Mode des typischen BibelTV-Moderators war ihr einen Tweet wert: „Habe heute beigefarbene Jackets in allen Farbnuancen gesehen. Das ist bei BibelTV irgendwie hip.“ Ihr Fazit: Es wird erstaunlich wenig live gebetet beim christlichen Fernsehsender, allerdings kann man unter einer kostenlosen Telefonnummer für sich beten lassen; es gibt wenig Nachrichten, aber dafür viel Werbung für Knobi Vital.

Die Themenwoche der Akademie für Publizistik hat noch andere spannende Projekte hervorgebracht, die in einem Weblog namens „Unglaublich“ gesammelt werden. Ein Team hat beispielsweise ein Video über Pastor Uwe Heinrich gemacht, der in der U-Bahn-Passage des Rathauses Menschen wieder zurück in die Kirche holt. Ein anderes Video-Team befragte den Pressesprecher des Erzbistums Hamburg zum Exorzismus („Soweit ich weiß, kommen diese Fälle bei uns nicht vor.“). Ein Kursteilnehmer begab sich in der Himmelstraße im Hamburger Norden mit seiner Kamera auf die Suche nach Gott. Ein weiteres Team erstellte ein 15 Fragen umfassendes Quiz zu den großen Weltreligionen. Zwei Redakteure wagten sich für ihr Projekt undercover die große Scientology-Zentrale in der Hamburger Innenstadt und berichten in einer Reportage über ihr Herzklopfen dabei. Erstaunlich, wie unverkrampft und unterhaltsam-kreativ Jungjournalisten an das Thema Glaube gehen können – auch wenn sie selbst nicht gläubig sind. Unser Kollege Nicolai versicherte uns, unschuldig am Glaubens-Projekt der Journalistenschule zu sein. „Ich habe damit nichts zu tun!“

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