Ausstellung Christentum im Mittelalter

Christuskind

Christuskind

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg | Steintorplatz | D-20099 Hamburg

 

 

(Pressemitteilung) Mit der Neupräsentation der Mittelalter-Sammlung setzt das MKG den Fokus auf eine weitere Weltreligion: das Christentum. Mit der Neugestaltung der Bereiche Buddhismus, Christliches Mittelalter, und Islam (in 2014) will das MKG das Verständnis für die verschiedenen, oft als fremd empfundenen Religionen fördern und zum Dialog einladen. Kunstwerke bieten eine unmittelbare und anschauliche Begegnung mit verschiedenen Glaubensvorstellungen und Formen der Spiritualität und sind zugleich herausragende künstlerische Zeugnisse für die Kraft der Imagination des Menschen. In der christlichen Gesellschaft des Mittelalters sind Religion und Kunst besonders eng miteinander verbunden. In einer Zeit, in der das Lesen und Schreiben nur Fürsten und ausgewählten Geistlichen vorbehalten ist, übernehmen Kunstwerke die Aufgabe, zentrale Inhalte der christlichen Lehre zu vermitteln. Die rund 100 gezeigten Objekte – sakrale Bildwerke, Schatzkunst, liturgisches Altargerät und Devotionalien aus dem 6. bis frühen 16. Jahrhundert – ermöglichen auch aus heutiger Sicht einen emotionalen Zugang zum Weltbild, zu den Glaubensvorstellungen und -praktiken im christlichen Mittelalter.

Die Ausstellungspräsentation folgt zwei Strängen: Die drei Haupträume widmen sich jeweils den drei Grundpfeilern des christlichen Glaubens – der Menschwerdung Gottes, dem Opfertod Christi und der Auferstehung –, die bis heute für die Christen aller Glaubensrichtungen Gültigkeit haben. Jeder der drei Räume beinhaltet ein zentrales Werk: Das spätgotische Christuskind von Gregor Erhart (1470—1540) veranschaulicht die Geburt des Messias. Eine Gebetsnuss mit der Darstellung der Kreuzigung verweist auf den Tod Christi. Der berühmte Osterteppich aus dem Kloster Lüne schließlich, der erstmals der Öffentlichkeit dauerhaft präsentiert werden kann, steht für die Auferstehung Christi. In der Galerie beleuchtet der zweite Schwerpunkt anhand ausgewählter Werke die Ausübung der Religion in der Liturgie, in der Heiligenverehrung und im Reliquienkult. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Hauptwerke wie die Thronende Madonna aus Elfenbein, die Muttergottes auf der Mondsichel von Tilman Riemenschneider, die Stehende Madonna mit Kind von Nikolaus Gerhaert von Leyden und das Lektionar aus der St. Petrikirche in Hamburg von Hinrik Lampspring.

Geburt: Gott wird Mensch

Den Auftakt der Ausstellung bilden Objekte zur Geburt Christi. Am Anfang des Christentums steht Jesu Geburt. Er ist der Sohn Gottes, der Messias. Gezeugt durch den Heiligen Geist, geboren von der irdischen Mutter Maria, wird Gott in Jesus Mensch. Die Menschwerdung Gottes bringt die Hoffnung auf Erlösung und auf ewiges Leben. Die Hauptfigur im Raum ist das Christuskind aus dem Zisterzienserinnenkloster Heggbach. In der Skulptur zeigt sich, dass Gott Mensch geworden ist. Die Weltkugel weist ihn bereits als künftigen Weltenrichter aus, die segnende Hand zeigt ihn als Heil bringenden Erlöser.

Auch Maria erfährt besondere Verehrung – als Gottesmutter und Fürsprecherin für das Seelenheil der Gläubigen.

Das Verhältnis von Mutter und Kind durchläuft in der Kunst des Mittelalters eine Entwicklung: In den frühen romanischen Werken hält Maria dem Betrachter ein eher erwachsenes Kind entgegen, wie bei den beiden Elfenbein-Madonnen. Später wird die Beziehung innig und zärtlich, Christus auch kindlicher und naturalistischer dargestellt.

Beispielhaft zeigen dies die spätgotische Steinmadonna von Niklas Gerhaert van Leyden (1420 -1473) und die Maria auf der Mondsichel von Tilmann Riemenschneider (um 1460 -1531). Das Überirdische, das Göttliche, wird im Laufe der Jahrhunderte in eine naturalistische Bildsprache umgesetzt und so für die Gläubigen nachvollziehbar.

Einen kleinen Exkurs zur Marienverehrung bildet die Rosenkranztafel. Besonders im Spätmittelalter ist die Praxis des Rosenkranzgebets zur Fürbitte der Muttergottes beliebt. Ein Gebet vor dem Bild der heiligen Maria, die hier zusammen mit dem Christuskind und den Engeln Rosenkränze an geistliche und weltliche Würdenträger verteilt, bietet Schutz vor der Pest und anderen Krankheiten. Doch Gebeten müssen auch gute Taten folgen: das französische Minnetäschchen dient zur Aufbewahrung von Münzen für mildtätige Zwecke. Es ist der konsequente Sinneswandel, der in guten Werken – wie Almosen für die Armen – seinen Ausdruck finden muss, denn neben der Liebe zu Gott steht die Nächstenliebe im Mittelpunkt des christlichen Handelns.

Tod: Gott geht in den Tod

Christi Tod am Kreuz vollendet das christliche Erlösungswerk. Aus Liebe zu den Menschen durchlebt der Mensch gewordene Gott Schmerz, Einsamkeit und Todesangst. Er stirbt, um die sündhafte Menschheit zu retten. Das Kreuz wird zum Symbol für die Hoffnung auf Erlösung. Zentrales Exponat ist ein gotisches Kruzifix mit dem Gekreuzigten. Ihm wird einer Abfolge von zehn Kruzifixen gegenübergestellt, die ursprünglich vergoldete Altar-und Vortragekreuze geziert haben. Sie dokumentieren die Entwicklung des Christusbildes vom triumphierenden Gott mit Königskrone hin zu Jesus Christus mit der Dornenkrone, dessen erlittene Qualen deutlich sichtbar sind.

Ein Grund für die Wandlung des Christusbildes liegt darin, dass der Tod durch die sich rasch ausbreitenden Seuchen in den wachsenden Städten allgegenwärtig wird und eine dramatische Präsenz bekommt.

Im Mittelpunkt des Raumes steht eine kleine aufklappbare Gebetsnuss. Filigrane Mikroschnitzereien im Innern der 4,1 cm großen Kugel aus Buchsbaumholz zeigen die historische Kreuzigung auf dem Kalvarienberg und die liturgische Gregorsmesse. Betnüsse werden für die private Andacht genutzt und sind zugleich ein beliebtes Sammelobjekt. Die Betrachtung des Gekreuzigten gehört zu den wichtigsten Mitteln der Passionsandacht. Auch die erst kürzlich auf der Kunstmesse Tefaf in Maastricht neu für die Sammlung erworbene Pietà ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Compassio (lat. Mitleid). Die Gottesmutter hält ihren toten Sohn auf dem Schoß und beklagt seinen Tod. Der Schmerz, den die Gottesmutter durchleidet, soll auch den Betrachter berühren.

Auferstehung: Gott schenkt ewiges Leben

Mit der Auferstehung Jesu Christi erfüllt sich die Prophezeiung von einem Leben nach dem Tod. Gott überwindet drei Tage nach der Kreuzigung den Tod und gibt dem Menschen damit Hoffnung auf ewiges Leben in Gottes Reich.

Der Raum wird durch den Osterteppich aus Kloster Lüne erfüllt, auf dem Christus siegreich seinem Grab entsteigt.

So hat der Besucher die christliche Auferstehungsverheißung unmittelbar vor Augen. Zahlreiche Symbole, die auf den Teppich gestickt sind, beziehen sich auf Christus. Er steht im Zentrum des Kosmos, bestimmt Anfang und Ende der Welt. Den Teppich ergänzen weitere Objekte mit Symbolkraft: Aquamanile (Gießgefäße für die Handwaschung) in Tierform, ein Kästchen mit dem Heiligen Grab und ein Weihrauchgefäß, dessen Architektur ein Abbild desHimmlischen Jerusalem ist und ein kleines byzantinisches Gefäß mit einem der ältesten Christussymbole, dem Fisch, der besonders zur Zeit der Christenverfolgung als verstecktes Erkennungszeichen der Anhänger Jesu bedeutsam ist.

Glaubenspraxis

Während in den drei Haupträumen der Fokus auf einzelnen, ausgewählten Bildwerken liegt, in denen sich die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens widerspiegeln, zeigt die Galerie Artefakte, die für die Ausübung der Religion bestimmt waren: in der Liturgie, in der Heiligenverehrung und im Reliquienkult.

Liturgie: Die religiösen Zeremonien und Riten im christlichen Gottesdienst laufen nach einer festgelegten Ordnung ab, der Liturgie. Sie umfasst Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament, die Spendung von Sakramenten,

Gebete, Gesang, Gewänder und liturgische Geräte aus wertvollen Materialien, die zur Ausübung in diesem feierlichen Rahmen nötig sind und angemessen erscheinen. Lektionare, Evangeliare, Monstranzen, Behältnisse für Taufe und Eucharistie sind ein Teil des Kirchenschatzes. Heiligenverehrung und Reliquienkult: Als Reliquien bezeichnet man sterbliche Überreste von Heiligen, manchmal auch Reste ihrer Kleidung oder Gegenstände, mit denen sie in Berührung gekommen sind. Durch sie ist derVerehrte gegenwärtig. Aufbewahrt werden die „Überreste“ in kostbaren Behältnissen, den Reliquiaren. Sie bergen für die Christen des Mittelalters ein überaus kostbares Gut, das sich in den wertvollen Materialien der kostbaren Gefäße widerspiegelt. Die Reliquiare werden nur zu speziellen religiösen Anlässen aus der kirchlichen Schatzkammer geholt und den Gläubigen präsentiert. Besonders kostbare Zeugnisse sind die Servatiusplatten von der Reliquienbüste des heiligen Servatius in Maastricht – ein Hauptwerk der Goldschmiedekunst um 1400 im Stil dererzählerischen Kunst Jan van Eycks – und das Georgsreliquiar aus dem Besitz der Elbinger Georgsbruderschaft.

Die Neueinrichtung der Sammlung Christentum im Mittelalter wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von Saalpaten: Georg W. Claussen, Helga Krause und die Justus Brinckmann Gesellschaft, Freunde des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Eröffnungsprogramm am Sonntag, 24. März 2013

KURZFÜHRUNGEN

14.00 Uhr Nähe im Leiden. Passionsfrömmigkeit im Mittelalter

15.00 Uhr Wertvoll und heilig. Schatzkunst im Mittelalter

16.00 Uhr Maria, in Demut mächtig. Bilder mittelalterlicher Marienverehrung

17.00 Uhr Schutzpatron und Fürsprecher. Heiligenverehrung im Mittelalter

MUSIK IM MITTELALTER

14.30 Uhr Bausatz Gregorianik / Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

15.30 Uhr Die Schönheit der Notenschrift / Olaf Kirsch, Kurator der Sammlung Musikinstrumente

16.30 Uhr Aus der Hand singen / Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

17.30 Uhr Magister Cerasus legt auf / Olaf Kirsch, Kurator der Sammlung Musikinstrumente

FÜR KINDER

14.00 Uhr Zeitreise in die Welt der Ritter und Burgfräulein mit historischen Kostümen (ab 8 Jahren)

15.00 Uhr Kinderbuchautorin Kirsten Boie liest aus ihrem Bestseller „Der kleine Ritter Trenk“

KURATORENFÜHRUNGEN ÜBER OSTERN

Ostersonntag, 31. März 2013, 14.00 Uhr

Der Osterteppich in der neu eröffneten Sammlung Christentum im Mittelalter /

Angelika Riley, Kuratorin der Sammlung Mode und Textil

Ostermontag, 1. April 2013, 12.00 Uhr

Rundgang durch die neu eröffnete Sammlung Christentum im Mittelalter /

Dr. des. Christine Kitzlinger, Kuratorin der Sammlungen Europäisches Kunsthandwerk und Skulptur

FÜHRUNGEN IM RAHMEN DES 23. EVANGELISCHEN KIRCHENTAGS IN HAMBURG

Donnerstag, 2. Mai 2013, 14.00 bis 14.30 Uhr

Kuratorenführung im neu eröffneten Sammlungsbereich Christliches Mittelalter / Dr. des. Christine Kitzlinger, Kuratorin der Sammlungen Europäisches Kunsthandwerk und Skulptur

Freitag, 3. Mai 2013, 14.00 bis 14.30 Uhr

Kuratorenführung in den neu eröffneten Sammlungsbereichen Buddhismus und Islam / Dr. Nora von Achenbach, Leiterin der Sammlungen Ostasien und Islam

Kuratorin: Dr. des Christine Kitzlinger, T. 040-428134-590, E-Mail: christine.kitzlinger@mkg-hamburg.de

Internet: www.mkg-hamburg.de

Öffnungszeiten: Di –So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr | Eintrittspreise: 10 € / 7 €, Do ab 17 Uhr 7 €, bis 17 Jahre frei

 

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