Deutschlands meistbesuchte Kirchen

Wetzlar (idea) – Welche zehn evangelischen Kirchen in Deutschland werden am meisten besucht? Recherchen der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) haben teilweise überraschende Ergebnisse erbracht. So stehen unter den ersten zehn gleich zwei Berliner und zwei Nürnberger Kirchen, während die Mutterkirche der Reformation – die Schlosskirche zu Wittenberg, an die Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen heftete – keinen Spitzenplatz ergattern konnte. Die mit Abstand am stärksten frequentierte Kirche in Deutschland ist die Frauenkirche in Dresden. Im vergangenen Jahr kamen rund zwei Millionen Interessierte. Das auch als „protestantischer Petersdom“ bezeichnete Gebäude galt schon nach seiner Errichtung im 18. Jahrhundert als schönster Kirchenbau des Protestantismus. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg diente die Ruine lange als Mahnmal gegen den Krieg, bevor die wieder aufgebaute Kirche 2005 erneut eingeweiht werden konnte. An zweiter Stelle steht der „Michel“ in Hamburg. Er zählte im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Gäste. Mit seinem 132 Meter hohen Turm gehört er zu den Wahrzeichen der Freien- und Hansestadt. Eine Besonderheit ist die gigantische Turmuhr: Sie hat einen Durchmesser von acht Metern und ist damit die größte in Deutschland. Zu den berühmtesten Kirchenmusikern, die im „Michel“ wirkten, gehören Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788).

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vor dem Berliner Dom

Die 1895 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin landete mit einer Million Besuchern auf Platz drei vor dem Berliner Dom, den im vergangenen Jahr 860.000 Menschen sehen wollten – dafür mussten sie aber – außer sie kamen zum Gottesdienst – ein Eintrittsgeld bezahlen. Mit 750.000 Besuchern auf dem fünften Platz rangiert die Lorenzkirche in Nürnberg. Sie beherbergt drei Orgeln mit 12.000 Pfeifen; die Orgelanlage ist damit die größte in einer evangelischen Kirche in Deutschland. In der Lorenzkirche wird bis heute der bayerische Landesbischof in sein Amt eingeführt, auch wenn sich der Amtssitz in München befindet. Auf Platz sechs findet sich mit 550.000 Besuchern die Kirche, die für sich in Anspruch nehmen kann, über den mit 161,5 Metern höchsten Kirchturm der Welt zu verfügen: das Ulmer Münster. Auf Platz sieben folgt wieder ein Gotteshaus in Nürnberg: St. Sebald mit 350.000 Gästen. Als einer der herausragenden Dome Deutschlands liegt der zu Braunschweig mit 325.000 Besuchern auf Platz acht. Er ist seit 1923 Bischofskirche der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Bach und Buxtehude: Auch Leipzig und Lübeck sind dabei

Die Marienkirche in Lübeck – mit 250.000 Besuchern auf dem neunten Platz – besitzt mit 38,5 Metern das höchste Backsteingewölbe der Welt. Das zwischen 1250 und 1350 entstandene Gebäude gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hier wirkte unter anderen der Komponist Dietrich Buxtehude (1637-1707). Rang zehn belegt die Leipziger Thomaskirche. In ihr predigte 1539 Martin Luther (1483-1546) zur Einführung der Reformation. Hier singt seit 800 Jahren der Thomanerchor, einer der berühmtesten und besten Knabenchöre der Welt. Der bekannteste aller Thomaskantoren war Johann Sebastian Bach (1685-1750), von dem die französische Pianistin Hélène Grimaud sagt, dass Gott ihm eine Menge schulde; denn ohne die Musik Bachs wüssten viele Menschen nicht, dass Gott existiere.

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