Geplante Telekom-DSL-Drossel könnte Aus für viele SmartTV-Anwendungen bedeuten

HbbTV_logo(SatelliFax) Die von der Deutschen Telekom geplante Drosselung der Geschwindigkeit des DSL-, VDSL- oder Fiber-Anschlusses ab einer gewissen überschrittenen Datenmenge (SatelliFax berichtete) könnte das Aus für viele SmartTV-Dienste bedeuten. Wie der Branchendienst "Teltarif.de" ausrechnete, reichten 75 GB – ab hier soll die Bandbreite bei DSL-Anschüssen bereits auf DSL light-Niveau (384 kbit/s) gesenkt werden, täglich nur noch für zwei Stunden Videokonsum in SD-Qualität, oder ein Drittel davon in Full-HD.

Da Videoanbieter im Hybrid-TV in erster Linie Full HD-Produktionen anbieten, könnte der Kunde also maximal noch sechs bis sieben Filme im Monat schauen, anschließend würde bereits die Geschwindigkeit gedrosselt. Dabei ist noch nicht einmal das allgemeine Surfen im Netz mitgerechnet. Wer hier häufig Videos über Youtube anschaut, sich öfter Musikalben runterläd, online spielt oder täglich mehrere Stunden Internetradio hört, kann dann noch deutlich weniger SmartTV-Anwendungen im Monat genießen. Vor allem bei Familien mit nur einem Internetanschluss könnte die Geschwindigkeit bereits nach wenigen Tagen Internetkonsum gedrosselt werden.

Wie Teltarif.de spekuliert, könnten die Telekom-Pläne aber auch ein Druckmittel sein, um eine Einigung zwischen Netzbetreibern und Videoportalen über eine Kostenbeteiligung zu ermöglichen. Der Traffic solcher Portale, die sich an den Kosten beteiligen (etwa Maxdome oder LOVEFiLM), werde dann bei den Kunden nicht mitgezählt. Solche Modelle gibt es bereits in den USA. Ansonsten müsste der Kunde, ähnlich wie beim Mobilfunk, drauf zahlen, wenn er mehr Traffic in Highspeed benötigt, und entsprechende Pakete hinzubuchen.

In jedem Fall wären die Telekom-Pläne ein großer Rückschritt für die Entwicklung des Internets in Deutschland. Nach einer Drosselung auf 384 kbit/s (die Telekom hat diese Zahl bisher nicht bestätigt, sondern nur, dass es Überlegungen in dieser Richtung gäbe) wäre nicht einmal der parallele Aufruf einer Website und das Hören einer Internetradiostation möglich. Anstelle weniger Sekunden würde es mehrere Minuten dauern, bis Websites geladen sind.

Die Pläne der Telekom sind aber auch eine schallende Ohrfeige in Richtung derer, die herkömmliche Rundfunkangebote in Deutschland zugunsten des Internets in Frage stellen. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hatte zuletzt etwa dafür plädiert, Fernsehen für mobile Anwendungen künftig ausschließlich IP-basiert auszustrahlen. Hintergrund war der Rückzug der RTL-Gruppe aus dem digital-terrestrischen Antennenfernsehen (DVB-T). Auch viele private Hörfunkunternehmen lehnen ein Engagement über digital-terrestrisches Radio (DAB+) ab und setzen eher auf die Verbreitung im Netz. Die Telekom-Pläne zeigen, dass das Internet in Deutschland massiv von Telekommunikationsunternehmen und derer Preispolitik abhängig ist, zumal in Deutschland Vertragsfreiheit hererscht, und TK-Anbieter mit ihren Kunden entsprechende Surflimits vereinbaren dürfen.

Sollte die Telekom die Pläne tatsächlich wie im Blog "Fanboys" kolportiert bereits ab 2. Mai durchsetzen, dürften auch die Telekom-Konkurrenten mitziehen. Denn auch sie beschweren sich schon lange über die ihrer Meinung nach zu harte Regulierung, die Preise niedrig halte.

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