Kostenlawine drängt digitale Antenne ins Abseits

Multithek hadert mit hohen Übertragungspreisen non-linearer Inhalte

DVB-T Turm(Pressetext München/Bonn) Im Infrastrukturwettbewerb mit anderen TV-Übertragungswegen will das digitale Antennenfernsehen an Attraktivität gewinnen. Erstmals können TV-Sender mit der Multithek non-lineare Inhalte wie Catch-Up-TV über DVB-T verbreiten. Doch wegen der hohen Übertragungskosten verzichten viele private Programmanbieter auf eine DVB-T-Verbreitung. Der digitalen Antenne droht daher das Aus.

Bereits 20 Anbieter am Start

Am 20. Februar geht die von Media Broadcast http://media-broadcast.com entwickelte Multithek in sieben DVB-T-Regionen Deutschlands an den Start: in Berlin, Hamburg, Saarbrücken sowie Hannover, Braunschweig, Stuttgart und im Rhein-Main-Gebiet mit den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. Das TV-Portal verknüpft das Internet mit dem Fernsehprogramm. So können TV-Sender ihren Zuschauern non-lineare Inhalte wie zum Beispiel einzelne Serienfolgen sowie Shopping-Angebote oder Downloads am Fernseher anbieten.

Die Multithek ist im elektronischen Programmführer (EPG) des DVB-T-Empfangsgerätes integriert und wie ein gewöhnlicher TV-Kanal aufgelistet. Die Navigation erfolgt über die Fernbedienung. "Die Multithek ist eine kostenlose Erweiterung des TV-Programms und macht Zusatzdienste einfach mit einem Knopfdruck auf dem Fernseher erlebbar", erklärt Daniel Kleinbauer, Leiter Produktmanagement Hybrid-TV bei Media Broadcast. 20 Anbieter sollen eigenen Angaben nach an Bord sein, darunter ARD, ZDF, QVC und QTom.

Hohe Kosten, geringe Reichweite

Es ist kein Zufall, dass Media Broadcast die Multithek als erstes über DVB-T verbreitet. Für viele private Programmveranstalter ist dieser Verbreitungsweg schlicht zu teuer. Während die Verbreitung im Kabel pro Haushalt rund drei Euro kostet, sind es bei DVB-T bis zu 40 Euro. Darum verzichten viele private Programmanbieter auf die Verbreitung über die digitale Antenne. Die Zukunft von DVB-T sieht nicht rosig aus. RTL Deutschland hat seinen Ausstieg bereits angekündigt. Ende 2014 wird das letzte Programm der RTL-Gruppe seine DVB-T-Übertragungen einstellen. ProSiebenSat.1 will bis Ende März entscheiden.

Um die Attraktivität des digitalen Antennenfernsehens zu erhöhen, wird nun versucht, im Infrastrukturwettbewerb mit Kabel, Satellit und IPTV gleichzuziehen, indem TV-Sender auch über DVB-T non-lineare Inhalte verbreiten können. Jedoch dürfte die Reichweite neuer Nutzungsformen wie der Multithek zumindest anfänglich gering sein. Für den Empfang ist neben einem Internetzugang mit mindestens zwei Mbit/s ein Fernseher mit HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) vonnöten.

HbbTV-fähige Set-Top-Boxen für DVB-T existieren jedoch nicht. 2012 wurden laut GfK Retail & Technology in Deutschland 4,8 Mio. Flachbildfernseher mit Triple Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T verkauft. Es werden aber nur über 1,25 Mio. TV-Geräte Zusatzangebote auf HbbTV-Basis genutzt. Die Reichweite der Multithek wird noch einmal eingeschränkt und zwar auf die Fernseher, die das Programm tatsächlich über DVB-T empfangen. Diese geringe Reichweite dürfte die Attraktivität von DVB-T für TV-Sender kaum erhöhen.

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