BUß- UND BETTAG: Umkehr und Innehalten tun gut

(idea, Hannover/Hamburg) – Der Buß- und Bettag lebt: Obwohl er in allen Bundesländern – mit Ausnahme Sachsens – 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung als arbeitsfreier Feiertag gestrichen wurde, hat er seinen Platz im kirchlichen Festkalender behalten. Hunderte evangelische Gemeinden veranstalten Abendandachten und -gottesdienste, um Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen.

Nach den Worten des EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), lädt der Buß- und Bettag am 16. November dazu ein, das Hasten des Alltags zu unterbrechen und sich zu besinnen, wo man und wofür man steht. „Innehalten tut not und tut gut“, so Schneider in seiner vom EKD-Kirchenamt in Hannover verbreiteten Botschaft. Das Evangelium helfe Christen, einen ehrlichen Blick auf das eigene Leben zu werfen und – wo nötig – umzusteuern. Der Ratsvorsitzende bezeichnet den Buß- und Bettag als wirksames Mittel gegen Resignation: „Wir müssen nicht die Köpfe hängen lassen – im Gegenteil. Im Vertrauen auf Gottes Gnade und seine Bereitschaft, uns zu vergeben, dürfen wir im Gebet seine Nähe suchen. Wir dürfen bei ihm einkehren und von dort gestärkt aufbrechen zur Neugestaltung unseres Lebens und unserer Welt.“

Kirchenpräsident: Jeder steckt in Schuldzusammenhängen

Nach Ansicht des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung (Darmstadt) muss man sich am Buß- und Bettag bewusst machen: „Ob wir wollen oder nicht, wir stecken durch unsere Art zu leben in Schuldzusammenhängen.“ Ohne diesen Tag „würde uns dieser Impuls zum selbstkritischen Reflektieren und Korrigieren fehlen“. Dabei solle man aber nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern die eigene Rolle sehen. Das gelte auch für die Institution Kirche.

Auch die Kirche soll Buße tun

Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands fordert anlässlich des Buß- und Bettags dazu auf, nicht nur über kollektive gesellschaftliche Schuldzusammenhänge nachzudenken. Es gehe darum, den Einzelnen und die Kirche als Ganze zur Buße zu rufen. „Denn Buße bedeutet Hilfe und Segen“, erklärte der Vorsitzende dieses theologisch konservativen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). „Gerade in Zeiten der Glaubenskrise, der Infragestellung von elementaren Glaubensgrundlagen, des Verlustes der Autorität der Heiligen Schrift und der Bedrohung durch Zeitgeist und Säkularisierung ist die Buße die Voraussetzung der notwendigen Erneuerung der Kirche.“ Der Theologe regt an, neu über Buße und Beichte nachzudenken. Mit beiden Begriffen verbinde man eher düstere Vorstellungen, die der Lebensfreude im Wege stünden. Dabei seien Umkehr und Hinwendung zu Gott etwas Freudiges.

Seelsorgerlichen Schatz der Beichte wiederentdecken

Die Beichte befreie von Schuld durch den persönlichen und direkten Zuspruch der Vergebung im Namen des Dreieinigen Gottes. Rüß zufolge ist die Beichte ein „seelsorgerlicher Schatz“, der neu entdeckt werden sollte. Er ruft dazu auf, regelmäßige Beichtgottesdienste und Zeiten für Einzelbeichte in den  Gemeinden anzubieten. Die Beichte sei nicht nur eine Sache der katholischen Kirche: „Sie ist von Christus eingesetzt. Für Luther hatte sie einen hohen Stellenwert.“ Der Buß- und Bettag wurde erstmals 1532 in Straßburg eingeführt. Später fand er als regelmäßiger Feiertag gegen Ende des Kirchenjahres Eingang in den liturgischen Kalender.

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