Christliche Sender sollen Kräfte bündeln

Um das Evangelium in einer „gottlosen Welt“ zu verbreiten, sollten die christlichen Fernsehanbieter im deutschsprachigen Europa ihre Kräfte bündeln. Dies sei auch wegen der kostenaufwendigen technischen Neuerungen wie der Ausstrahlung im hochauflösenden HD-Format nötig, sagte der Geschäftsführer von Bibel TV, Henning Röhl (Foto), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Hamburg/Wetzlar (idea) – Um das Evangelium in einer „gottlosen Welt“ zu verbreiten, sollten die christlichen Fernsehanbieter im deutschsprachigen Europa ihre Kräfte bündeln. Dies sei auch wegen der kostenaufwendigen technischen Neuerungen wie der Ausstrahlung im hochauflösenden HD-Format nötig, sagte der Geschäftsführer von Bibel TV, Henning Röhl (Hamburg), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar/Mittelhessen). Anlass ist das zehnjährige Bestehen des Senders, das am 22. September in Hamburg begangen wird. Röhl plädiert insbesondere für eine stärkere Kooperation von Bibel TV und ERF Medien (früher Evangeliums-Rundfunk), das seit 2010 den eigenen TV-Kanal ERF1 betreibt. Daneben gibt es noch den adventistischen „Hope Channel“ und diverse katholische Fernsehanbieter. Der ERF war ab 2002 mit Beiträgen bei Bibel TV vertreten, zuletzt mit einem zweistündigen Sendeblock. Wegen Unterschieden in der Organisationsstruktur und Ausrichtung gehen die beiden überwiegend spendenfinanzierten Anbieter seither getrennte Wege. Röhl ist überzeugt, dass man angesichts der Zukunftsaufgaben wieder stärker das Gemeinsame suchen und mehr kooperieren müsse: „Ich glaube, das wird auch in den nächsten Jahren kommen.“

ERF-Chef ist gespannt auf mögliche Kooperationen

Auch der ERF-Vorstandsvorsitzende, Jürgen Werth (Wetzlar), schließt eine stärkere Kooperation mit Bibel TV für die Zukunft nicht aus. „Unsere Gesellschaft braucht so viel Christliches im Fernsehen und in allen anderen alten und neuen Medien wie nur eben möglich“, sagte er auf Anfrage von idea. Es schade nichts, dass es unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen gebe. So sei Bibel TV ökumenisch ausgerichtet und der ERF „viel stärker in der evangelischen Welt zu Hause“. Doch könne man vieles nur mit vereinten Kräften schultern. Daher sei er gespannt, ob es künftig wieder zu einer stärkeren Kooperation komme.

Zuschauer finanzieren ihr Fernsehen

Bibel TV war auf Initiative des Bonner Verlegers Norman Rentrop im Jahr 2002 gestartet. Das Programm ist von etwa 30 Millionen Fernsehhaushalten in ganz Europa zu empfangen. Es wird über den Satelliten Astra ausgestrahlt; in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es außerdem im digitalen Kabel, im Internetfernsehen IPTV sowie in einigen Regionen Deutschlands über das digitale Antennenfernsehen DVB-T zu sehen. Finanziell wird Bibel TV vor allem von über 42.000 regelmäßigen Unterstützern getragen. Das Spendenaufkommen lag im vergangenen Jahr bei 7,5 Millionen Euro. Organisiert ist Bibel TV als gemeinnützige GmbH mit 16 Gesellschaftern; die katholische und evangelische Kirche in Deutschland sind zusammen mit 25,5 Prozent beteiligt.

Kritik an TV-Programmen: Ein Krimi löst den anderen ab

Röhl – früher unter anderem Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks und Chefredakteur von „ARD aktuell“ (Tagesschau und Tagesthemen) – ist von Beginn an Geschäftsführer von Bibel TV. Der 69-Jährige übergibt das Amt am 1. Februar an den Betriebswirt Matthias Brender (Hamburg). Im idea-Interview stellt Röhl eine „Tendenz zur Boulevardisierung“ im Fernsehen fest: „Ein Krimi löst den anderen ab. Ein Fernsehzuschauer muss denken, wir lebten in einem total gewalt- und verbrechensbeherrschten Staat.“ Hingegen spielten wertebetonte Sendungen auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr dieselbe Rolle wie vor zehn oder 20 Jahren. Christliche Fernsehsender seien daher auch als Reaktion auf die Verflachung anderer Programme nötig.

Bibel TV: Es muss nicht alles Hochglanz sein

Die Finanzierung von Bibel TV vornehmlich aus Spenden führt laut Röhl zu einer stärkeren Bindung der Zuschauer an den Sender. Auch müsse man viel stärker mit dem „Cent“ rechnen. Die jährlichen Produktionskosten von Bibel TV lägen zwischen 500.000 und 600.000 Euro. Das sei ein Drittel der Kosten für einen einzigen „Tatort“-Krimi der ARD. Bibel TV lege den Schwerpunkt vor allem auf den Ausbau der Reichweite; dafür zahle man fast vier Millionen Euro im Jahr. Freilich habe man daher zu Beginn Abstriche bei der Qualität machen müssen. Doch auch ein qualitativ nicht so hochstehendes Programm könne Wirkung entfalten. Röhl: „Nicht alles ist Hochglanz, aber es muss auch nicht alles Hochglanz sein.“

Kirchen nutzen Potenzial von Bibel TV nicht aus

Die Kirchen nutzen laut Röhl das Potenzial von Bibel TV nicht genügend aus: „Ich glaube nicht, dass die Kirchen wirklich wissen, welch ein Instrument sie da haben.“ Es sei eine seiner großen Enttäuschungen der letzten zehn Jahre, dass die Kirchen kein Interesse gezeigt hätten, mehr in einen von Bibel TV initiierten und auch in den neuen Medien vertretenen Jugendsender zu investieren. Röhl: „Wenn ich dann überlege, für welche anderen Dinge die Kirchen Geld ausgeben und wie sie immer weiter vergreisen.“ Für ihn sei es „fast ein Alptraum“ zu sehen, „dass ein Großteil unserer Jugend ohne Berührung zum Evangelium auf- wächst“. Umfragen zeigten, dass Bibel TV auch Menschen erreiche, die keiner Kirche angehören.

Politiker: Bibel TV hält Werte lebendig

Bibel TV begeht sein zehnjähriges Bestehen am 22. September in Hamburg mit einem „Tag der offenen Tür“, einem Gospelkonzert und einem live aus der Hauptkirche St. Jacobi übertragenen Dankgottesdienst. Dabei predigen der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) und der katholische Hamburger Erzbischof Werner Thissen. Gratulationen haben führende Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Kultur übermittelt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schreibt, Bibel TV trage dazu bei, christliche Werte lebendig zu halten und den Respekt vor dem zu stärken, was anderen Menschen heilig sei. Der Sprecher der Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“, Patrick Meinhardt, lobt ebenfalls das werteorientierte Programmangebot. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) würdigt, dass der Sender „ohne jede staatliche Unterstützung und ohne Gebühreneinnahmen durchhält“. Der frühere bayerische Ministerpräsident und Vizepräses der EKD-Synode, Günther Beckstein (CSU), hält es angesichts des vielfach oberflächlichen Fernsehprogramms für wichtig, dass sich ein Sender mit den wesentlichen Fragen des Glaubens beschäftigt. Hamburg profitiere von Bibel TV, schreibt der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt, Olaf Scholz (SPD). Der Schauspieler Ben Becker bezeichnet sich in einer Grußbotschaft als „großen Anhänger von Bibel TV“.

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