Kopten in Deutschland kritisieren Entwicklungshilfe

Bischof Damian fordert in ERF Radio Koppelung an Menschenrechte (ERF/Wetzlar). Angesichts des Anschlags auf eine Kirche in Ägypten hat der koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian (Höxter), ein Überprüfen der Entwicklungshilfe gefordert. In einem Interview bei ERF Radio (Wetzlar) forderte er eine Koppelung der Zahlungen an das Einhalten der Menschenrechte. Damian kritisierte die Politik, die in Ägypten genauer hinschauen müsse. In der Hafenstadt Alexandria waren in der Neujahrsnacht vor einer Kirche mindestens 23 Menschen getötet worden, zwei der Christen erlagen erst am 4. Januar ihren Verletzungen. Zudem wurden fast 100 weitere Gottesdienstbesucher verletzt.

Seit Jahren leben die koptischen Christen in Angst. Manche Freitagsgebete in den Moscheen seien Kriegserklärungen an seine Glaubensgemeinschaft, die rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht. Von den rund 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 87 Prozent Muslime. Die Aggression der Muslime sei eine Folge dieser Predigten, so der Bischof. Muslime beschimpften öffentlich koptische Christen und deren Patriarch Schenuda III. Unter anderem komme es immer wieder zu Zerstörungen von Bildern des koptischen Oberhauptes. Die öffentlichen Mittel in Ägypten – und damit auch die Entwicklungshilfegelder – würden vor allem in islamische Ausbildungsstätten fließen. Die koptischen Christen erhielten von diesen Finanzhilfen nichts. Der Ausschluss der Kopten von der Hilfe sollte überprüft werden. Sie würden in der Öffentlichkeit benachteiligt, könnten in der muslimisch geprägten Gesellschaft oft keine Ausbildung und keine Arbeit aufnehmen. „Es herrscht eine Atmosphäre, die bedrohlich ist“, so Bischof Damian. Die koptischen Christen würden keine politischen Ämter übernehmen können und hätten deshalb keinen Einfluss auf die Politik.

Neu sei, dass nun auch koptische Christen in Deutschland mit einer Bedrohung leben müssten. Das Bundeskriminalamt hatte vor terroristischen Aktivitäten zum koptischen Weihnachtsfest in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gewarnt. In Deutschland leben rund 6.000 Kopten.

„Es wird keine Feierlichkeiten geben, nur die Liturgie“, sagte Bischof Damian. Bereits zum Weihnachtsfest im Januar 2010 war es zu Gewaltausbrüchen gekommen. Im südägyptischen Nag Hamadi waren dabei sieben Menschen gestorben.  Aus diesem Grund wollen die Kopten auf das Agape-Mahl verzichten und es werden keine ägyptischen Politiker empfangen, so der Bischof.

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