Liebesfilm mit Tiefgang

(Medienmagazin pro) Der „Tatort“-Drehbuchautor Christoph Silber hat einen Spielfilm gedreht, in dem er autobiographische Züge mit eingewoben hat. Der Liebesfilm „Nie mehr ohne Dich“ spricht auch Glaubens-Fragen an. Silber unterscheidet aber ungern zwischen „christlichem Film“ und „nicht christlichem Film“, wie er gegenüber pro sagt.

Christoph Silber, der in Ost-Berlin geboren wurde, hat bereits viele Drehbücher geschrieben. Seine Mutter ist die deutsche Literaturübersetzerin Christa Schuenke, sein Ziehvater ist der in England aufgewachsene Shakespeare-Übersetzer, Publizist und Theaterdramaturg Maik Hamburger. Und auch er selbst war immer ein „homme d’lettre“, wie Silber gegenüber pro sagt. Zunächst als Musiker, Übersetzer und freier Journalist unterwegs, hat er sich mittlerweile als Drehbuchautor einen Namen gemacht. So war er etwa an den Skripten für die Filme „Goodbye Lenin“, „Hanni und Nanni“, „Teufelskicker“ und „Nordwand“ beteiligt. Dazu ist er Autor von sieben „Tatort“-Folgen.
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Der Name seiner Produktionsfirma „Silver Sheperd“ (etwa: Silber-Hirte) mit Sitz in New York klingt irgendwie christlich. Aber er ist lediglich den Nachnamen der beiden Inhaber geschuldet: Silber gründete sie 2009 zusammen mit dem Amerikaner Stefan Schaefer.

„Wenn ich Freunden erzählt habe, wie ich damals meine Frau in New York getroffen habe, hieß es ganz oft: Diese Geschichte musst Du mal verfilmen!“, sagt Silber gegenüber pro und fügt hinzu: „Es hat schon etwas Märchenhaftes, wie sich zwei Menschen aus zwei so verschiedenen Kulturen in einer so großen Stadt finden und lieben lernen. Bei uns war es nicht ein Tag, sondern eine Woche. An deren Ende wussten wir aber, dass wir heiraten wollten.“

In seinem Film „Nie mehr ohne Dich“, der an diesem Donnerstag zunächst nur in zwei Kinos in Deutschland (Nürnberg und Stuttgart) startet, erzählt der Autor einen Teil seiner eigenen Geschichte. Der deutsche Manager Niklas (Ken Duken) trifft in New York auf die schwarze Sängerin Leticia (gespielt von Nicole Beharie). Ohne es zu wissen, verschuldet Niklas die Entlassung jener Frau, die ihm in kurzer Zeit den Kopf verdreht. Leticia ist eine Christin aus Brooklyn, die sich sehr in der Kirche engagiert – auch wenn sie ihre eigenen ganz privaten Fragen in Bezug auf Gott hat. „Sowohl Leticia im Film als auch meine Frau haben karibische Wurzeln“, erklärt Silber. Und auch er selbst hat seine Ehefrau bei einem Kurzbesuch in New York kennen gelernt.

Zwischen ihm und Niklas gebe es aber weniger Parallelen als zwischen seiner Frau und Leticia. Doch habe er wie Niklas früher eine Angst vor tieferen Beziehungen gehabt. „Aufgrund von Verletzungen ist Niklas emotional nach außen eher verschlossen. Das war bei mir auch so ähnlich. Dabei muss man sich bei der Liebe nun einmal vollständig hingeben, sonst funktioniert es nicht“, sagt Silber. Sein neuester Film, bei dem er auch als Produzent mit auftritt, handele von der Notwendigkeit, einen Sprung zu wagen für die Liebe. Noch immer lebt Silber mit seiner Ehefrau glücklich zusammen, das Paar hat inzwischen zwei Kinder.

Ohne Kitsch und Krawall

„Ich unterteile grundsätzlich nicht zwischen ‚Glaubensfilme‘ und ‚Nicht-Glaubensfilme‘ oder ‚christliche  Filme‘ und ’nicht christliche Filme'“, so Silber, der in „Nie mehr ohne dich“ auch Fragen des Glaubens und Zweifelns anspricht. „Es käme auch niemand auf die Idee zu sagen, Steven Spielberg mache jüdische Filme, nur weil er gläubige Jude ist.“ Dennoch sei klar: „Als Kreativer zeigt sich die eigene Haltung immer in dem Werk, das man schafft.“ Er selbst sei nicht christlich oder kirchlich erzogen worden. Der Vater, bei dem er aufwuchs, sei jüdisch, aber nicht gläubig gewesen. „Meine Eltern waren Atheisten, Glaube fand eher als kultureller Hintergrund statt.“ Vor allem seine Frau habe bei Silbers Weg zum Glauben eine wichtige Rolle gespielt. „Sie zeigte mir, wie man Glauben heute leben kann als jemand, der seine von Gott gegebenen Talente einsetzen kann, um die Welt ein bisschen besser zu machen.“

Die Filmfigur Leticia ist die Tochter eines Pastors und hat ihre eigenen Überzeugungen von Gott, und wie man gottgefällig leben sollte. Als sie und Niklas in ihrer Wohnung sind, kommt es zu einem Kuss, und schließlich landen beide auf dem Bett. Wie man es aus vielen anderen Filmen kennt, entfernt sich die Kamera daraufhin langsam aus dem Zimmer, und es bleibt dem Zuschauer überlassen, sich den Rest des Geschehens auf dem Bett zu denken. Meistens folgt dann ein Lächeln beider Figuren, die am nächsten Morgen nebeneinander im Bett liegen. Doch in Silbers Films springt die Kamera plötzlich zurück in Leticias Wohnung. Denn so einfach ist es mit den beiden nicht, Leticias Glauben bringt es mit sich, dass sie nicht so einfach mit einem Mann ins Bett geht, den sie wenige Stunden zuvor kennen gelernt hat. „Mit diesem Film-Zitat wollten wir ganz bewusst spielen“, sagt Silber.

Die Songs in dem Film hat Silber zusammen mit dem Komponisten Scott Jacobi geschrieben. Nicht nur das Titellied „This is my last day without you“ interpretiert die ausgebildete Schauspielerin und Sängerin Nicole Beharie selbst. Zusammen mit Ken Duken („Krieg und Frieden“, „Karol – Ein Mann, der Papst wurde“, „Zweiohrküken“) geben beide Schauspieler ein glaubwürdiges Paar ab, das zwischen der großen Liebe und der Entscheidung, das alte Leben aufzugeben, steht. Der Film kann mit vielen kleine schönen Ideen aufwarten, und es gelingt ihm, den Kitsch geschickt zu umsegeln. Außerdem thematisiert er auf unverkrampfte Weise den Glauben und lässt ihn als etwas völlig Selbstverständliches und Alltägliches erscheinen. Gleichzeitig ist es Silber möglich, eine gewisse Tiefe in Glaubensfragen zu erzeugen, etwa wenn es um die Frage geht, wie sehr man Gottes Willen in seinem Leben beachtet, und ob man auch trotz Schicksalsschläge weiter an Gottes Führung glaubt. (pro)

„Nie mehr ohne Dich“, Regie: Stefan C. Schaefer, Drehbuch: Christoph Silber.
Ab Donnerstag, 15. Dezember 2011, im „Cinecitta“ (Nürnberg) und in den „EM Kinos“ (Stuttgart“), demnächst auf DVD, 90 Minuten

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