Mehr als 100 Gemeinden stellen ihre Gottesdienste ins Internet

Wetzlar (idea) – Mit zahlreichen Online-Angeboten reagieren landeskirchliche und freikirchliche Gemeinden auf die Absage von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Treffen. Allein im sozialen Netzwerk YouTube wurden am 15. März über 100 deutschsprachige Gottesdienste online gestellt, wie eine Zählung der Evangelischen Nachrichtenagentur idea ergab.

Laut dem Pressesprecher des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG), Artur Wiebe (Witten), beteiligen sich aus seinem Bund 22 Gemeinden. Eine Liste von 97 Online-Gottesdiensten in deutscher Sprache hat der Leiter der „Kirche im Brauhaus“ und das Vorstandsmitglied von Willow Creek Deutschland, Lothar Krauss (Gifhorn), zusammengestellt.

Diese Gottesdienste live zu verfolgen, sei eine „tolle Chance in dieser Zeit“, schreibt Krauss in seinem Internetauftritt „der-leiterblog.de“. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert.

Nordkirche und Freikirche geben Streaming-Tipps

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) präsentiert auf ihrer Internetseite nordkirche.de den Ratgeber „So geht Video-Streaming in den Netzwerken“. Darin wird beschrieben, wie man auf Twitter, Facebook, YouTube und auf einer Internetseite Beiträge veröffentlicht.

Auch eine Warnung ist enthalten: „Vor dem Livestreaming sollte man sich generell über die Inhalte klar sein. Es sollte geklärt sein, wenn andere Personen vorkommen, ob sie mit einem Livestreaming einverstanden sind.“ Einen ähnlichen Ratgeber hat auch der Bund Freier evangelischer Gemeinden veröffentlicht.

Wie es dazu weiter heißt, interessiert sich die Freikirche für eine Streaming-Gesamtlösung aller Gemeinden. Man strebe dazu Verhandlungen mit der Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen an.

Praktische Hilfen durch „bild:werk“

Praktische Hilfen zu einer Livestream-Übertragung bieten auch die deutschlandweit 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Organisation „bild:werk“ an, einem Arbeitszweig des Vereins „missionarisch unterwegs“ (Lauf bei Nürnberg). „bild:werk“ ist aus der früheren Fernsehproduktionsorganisation CVJM-TV hervorgegangen.

Wie einer der Leiter, Markus Stäbler, idea mitteilte, hat die Organisation bisher medial Großveranstaltungen wie etwa das Christival betreut. Zudem hätten Mitarbeiter ihre eigenen Gemeinden dabei unterstützt, ihre Inhalte online zu stellen. Diesen Service wolle man nun stärker ausweiten. Man sondiere noch, was man alles tun könne.

Stäbler regte unter anderem, in den Gemeinden einen Austausch über Messengerdienste an, um etwa Gebetsanliegen weiterzugeben oder darüber auch miteinander zu beten. Im Hauptberuf ist Stäbler als Strategieberater für den Automobilkonzern Daimler tätig.

20 Gemeinden nutzen Impuls-Medien

Auch der konfessionsunabhängige christliche Mediendienst Impuls-Medien (IM) bietet seine Hilfe an. Er sorgt dafür, dass interessierte Gemeinden mit ihren Angeboten in der Corona-Krise kostenlos ihre Angebote online stellen können. Es hätten sich bisher 20 landes- und freikirchliche sowie katholische Gemeinden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeldet, teilte der Leiter Sven Kühne (Telfs/Österreich) idea mit.

JESUSHOUSE wird live übertragen

Folgen hat das Coronavirus auch für die Jugendevangelisation JESUSHOUSE, wie die Veranstalter vom Trägererein proChrist mitteilten. Bis zum 5. April waren an mehreren Hundert Orten regionale Veranstaltungen geplant.

Diese sollten nun auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, empfehlen der Geschäftsführer von proChrist, Michael Klitzke (Kassel), und die beiden JESUSHOUSE-Leiter Julia Garschagen (Köln) und Kai Günther (Kraichtal bei Karlsruhe). Stattdessen biete man nun das JESUSHOUSE-Stream-Format frei für alle im Internet an.

Dazu heißt es weiter: „Jesus ist auch dann bei uns, wenn wir uns digital zu zweit oder dritt versammeln.“ Das Programm wird vom 17. bis 21. März jeweils ab 18.30 Uhr eine Stunde lang auf der Internetseite www.jesushouse-live.de übertragen. Im Programm seien Dialogmöglichkeiten eingeplant, so dass Zuschauer ihre persönlichen Fragen stellen könnten.

Pietistische Gemeinschaft setzt auf Telefongottesdienste

Einen Telefongottesdienst hat die Evangelische Gemeinschaft im niedersächsischen Ohof-Elze (bei Gifhorn) erstmals am 15. März angeboten. Der Ausfall von Gottesdiensten sei keine Lösung, teilte der Geschäftsführer des Ohofer Gemeinschaftsverbandes, Matthias Boeddinghaus (Meinersen-Ohof), idea mit.

Auf der Suche nach Alternativen sei ihm die Idee mit dem Telefongottesdienst gekommen. Über 30 Interessenten hätten sich daran beteiligt. Alle hätten zur üblichen Gottesdienstzeit um 10 Uhr eine vorher bekanntgegebene Telefonnummer angerufen und sich mit einem Einwählcode am Gottesdienst beteiligt. So hätten sie alle gemeinsam dem Gottesdienst folgen können.

Nach den Worten von Boeddinghaus hat ein Telefongottesdienst Vorteile: Er sei einfach von jedem zu bedienen und eine Telefonkonferenz bei der Telekom zu beantragen, dauere weniger als drei Minuten. Die Kosten seien niedrig, da viele Nutzer ohnehin eine monatliche Telefonpauschale nutzten.

Im Gottesdienst hätten sich alle „Besucher“ vorstellen können. Man habe auch eine Gebetsgemeinschaft durchführen können. „Schwierig ist allerdings wegen der kurzen Zeitversetzung bei der Übertragung das gemeinsame Singen“, sagte Boeddinghaus idea. Zum Ohofer Gemeinschaftsverband gehören 15 Gemeinden und Gemeinschaften mit zusammen 700 Mitgliedern.

Täglich „Ein paar Minuten Zuversicht“

Das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau reagiert auf die Absage der Gottesdienste und anderer kirchlicher Veranstaltungen mit einer täglichen Andacht unter dem Motto „Ein paar Minuten Zuversicht“ Sie würden täglich auf der Internetseite des Dekanats (dekanat-big.de) veröffentlicht, berichten Dekan Andreas Friedrich und die Stellvertretende Dekanin Christina Ronzheim (beide Steffenberg).

Wenn Christen zusammen Gottesdienste feierten, gebe ihnen das Kraft und Trost. Wenn man nun Gottesdienste ausfallen lassen müsse, wolle man dennoch über das Internet miteinander in Kontakt bleiben. Zum Dekanat gehören 47 Gemeinden.

Hartl ruft zu dreitägigem Beten und Fasten auf

Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Augsburg, der katholische Theologe Johannes Hartl, hat derweil auf Facebook dazu aufgerufen, weltweit vom 18. bis 20. März drei Tage lang zu beten und zu fasten, „um Gottes Angesicht zu suchen“.

Die Corona-Pandemie sei eine besondere Zeit und erfordere deshalb besondere Aktionen: „Beten wir um ein schnelles Ende dieser Krise. Beten wir aber auch, dass sie zum Anlass für viele Menschen wird, zu Gott umzukehren und ihr Leben auf ein neues Fundament zu stellen.“ Da jede Krise ebenso eine Chance sei, gelte es auch dafür zu beten, „dass diese schwierige Zeit Gutes hervorbringt“, so Hartl.

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