Papst gegen Marktwirtschaft ohne Schranken

„Irrtum zu glauben, dass der Markt allein zur Selbstregulierung fähig sei“, sagte Benedikt XVI. vor der päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. (Vatikanstadt, www.kath.net/KNA) Papst Benedikt XVI. hat vor einer schrankenlosen Marktwirtschaft gewarnt. Vor der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften bezeichnete er es am Wochenende als «Irrtum zu glauben, dass der Markt allein zur Selbstregulierung fähig sei». Die Finanzkrise habe die Brüchigkeit des aktuellen Wirtschaftssystems gezeigt. Neben staatlichen Eingriffen sei auch eine «Unterstützung durch moralische Standards» nötig, so das Kirchenoberhaupt. Die bis Dienstag dauernde Jahresvollversammlung des internationalen Expertengremiums steht unter dem Titel «Krise in einer Weltwirtschaft - Neuplanung der Reise». Am Dienstag wird auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) mit einem Vortrag über erneuerbare Energien erwartet.

In seiner Rede forderte Benedikt XVI. die Wissenschaftler auf, nach objektiven Bewertungskriterien für wirtschaftliche Strukturen, Institutionen und Entscheidungen zu suchen. Oberste Maxime müsse die Förderung eines Allgemeinwohls sein, das auf Respekt vor der Menschenwürde beruhe, führte der Papst weiter aus. Die Beziehung zwischen Menschen dürfe nicht nur auf Eigeninteresse und Profitsuche reduziert werden.

Die 1994 gegründete Akademie für Sozialwissenschaften hat die Aufgabe, «das Studium der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und juristischen Wissenschaften im Licht der Soziallehre der Kirche zu vertiefen und zu fördern». Ihr gehören rund 35 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Religionen an, darunter etliche Nobelpreisträger. Präsidentin der Akademie ist die Harvard-Juristin Mary Ann Glendon.

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