Parteiübergreifendes Lob für Ökumenischen Kirchentag

Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, nannte das Treffen „sehr beeindruckend“. (München/idea) Der 2. Ökumenische Kirchentag in München ist bei den Parteien auf ein durchweg positives Echo gestoßen. Lobend äußerten sich auch der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) und die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

In der evangelikalen Bewegung sind die Meinungen dagegen geteilt bis ablehnend. Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, nannte das Treffen „sehr beeindruckend“. Es habe gezeigt, „dass es bei der Ökumene nicht nur um das ewige Drehen und Wenden von dogmatischen Lehrpositionen geht, sondern schlicht und ergreifend um das gemeinsame Beten, Singen, Lobpreisen und die gemeinsame christliche Verantwortung für die Welt“. Überall sei die Sehnsucht der Menschen nach dem spürbar gewesen, „was gerade in Krisenzeiten in Kirche und Politik neue Hoffnung und Orientierung gibt“. Es sei deutlich geworden, „wie viel Hoffnungskraft durch das Christentum in unsere Gesellschaft strahlt“. Für den Kirchenbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Siegmund Ehrmann, machte der Kirchentag deutlich,  „dass die Ökumene in den Gemeinden lebt und welche positiven Energien von Christinnen und Christen in die Gesellschaft hineinwirken“. Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass „vor allem die Basisbewegungen in der römisch-katholischen Kirche aus dem Ökumenischen Kirchentag die Kraft mitnehmen, die innerkirchliche Erneuerung zu forcieren“. Nach den Worten des Kirchenbeauftragten der FDP-Fraktion, Stefan Ruppert, hat der 2. Ökumenische Kirchentag erneut das enorme Mobilisierungspotenzial der Kirchen unter Beweis gestellt. „Das Streben nach Einheit hat – auch trotz kontroverser Diskussionen – einen richtigen Schub bekommen.“ Der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Raju Sharma, lobte die von Respekt und Toleranz geprägte Stimmung auf dem Kirchentag: „So würde ich mir auch die Debatten im Bundestag öfter wünschen.“


Für „Gemeinsames Wort“ der Kirchen

Der AEU-Geschäftsführer Stephan Klinghardt (Karlsruhe) nannte es angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Deutschland und der Welt ein wichtiges Signal, daß sich in München neben den christlichen Unternehmerverbänden auch die großen Wirtschaftsverbände am Dialog mit der Kirche beteiligt haben. „Diesem breiten Informations- und Gesprächsangebot hätte ich eine größere Aufmerksamkeit gewünscht“, so Klinghardt. Er begrüßte die Anregung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zu einem neuen „Gemeinsamen Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage“ und hoffe, daß die Kirchen diesen Impuls aufnehmen. Die Präsidentin der Vereinigung Evangelischer Freikirche (VEF)), Bischöfin Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), bezeichnete den Kirchentag als ein Hoffnungszeichen für die Ökumene, die die Vielfalt der Kirchen in Deutschland sichtbar mache. Die evangelischen Freikirchen hätten in vielen Veranstaltungen gezeigt, wofür sie stehen: „Für das gemeinsame Zeugnis der Kirchen in Wort und Tat für Christus, den Grund unserer Hoffnung.“

„Gnadau“ sieht Gutes und Schlechtes

Lob und Tadel äußerte der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Michael Diener (Kassel). Er begrüßte die Ernsthaftigkeit, mit der die Teilnehmer das Thema sexueller Missbrauch sowie soziale und theologische Fragestellungen behandelt hätten.  Dies sei ein ermutigender Ausdruck der Glaubensgründung und der Weltverantwortung des Christentums. Es habe sich wieder einmal gezeigt, „dass Christen viel mehr vereint, als sie trennt und dass einig sein auch gelingen kann, ohne dass wir einheitlich werden“. Allerdings seien in Fragen des interreligiösen Dialogs von manchen Veranstaltungen allerdings eher diffuse Signale ausgegangen.  Als „ganz und gar unbefriedigend“ empfand es Diener, „dass auch dieser Kirchentag dem Thema Homosexualität einseitig in einer Weise Raum gegeben hat, die weder dem biblischen Menschenbild noch offiziellen Erklärungen der EKD, der katholischen oder gar den orthodoxen Kirchen entspricht“.

„Käßmann inszenierte sich medial“

Kritik übte auch die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Vom freudigen Christusbekenntnis sei zu wenig deutlich geworden, mehr von Missbrauchsfällen und „einer viel bejubelten Margot Käßmann, die sich medial selbst inszenierte und selbstmitleidig mit ethisch-theologisch umstrittenen Positionen (‚Gehet in alle Welt, um sie zu verbessern’) zelebrierte“, so der Vorsitzende der theologisch konservativen Vereinigung, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Daneben hätten einzelne Bischöfe zeitgeistgemäß den Missionsauftrag Jesu gegenüber Moslems in Frage gestellt und den Wahrheitsanspruch Christi relativiert. Damit habe weder Ökumene noch Kirche eine Zukunftschance. Laut Rüß hat der Kirchentag eine wichtige Chance zu einem gemeinsamen Christuszeugnis der Hoffnung vertan: „Wir brauchen mehr christuszentrierte Kirche. Nur dann hat die Ökumene eine größere Chance und nur dann machen ökumenische Kirchentage Sinn.“

Schriftwidrige Voten

Die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ zog ebenfalls ein kritisches Fazit. Neben der Verkündigung des Wortes Gottes seien auch schriftwidrige Voten zur Geltung gekommen, erklärte der Vorsitzende, Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt (Filderstadt bei Stuttgart). Dies gelte etwa für Behauptungen, dass alle Religionen samt den Christen zu dem einen gleichen Gott beteten und Homosexualität zu akzeptieren sei. Hellenschmidt: „Damit ist das christliche Bekenntnis korrumpiert und die apostolische Ethik außer Kraft gesetzt und der Überwucherung des Wahren durch das Falsche Vorschub geleistet. Die Frage nach der rechten und falschen Lehre in der Kirche ist gestellt. Nacharbeit tut Not.“

„Sammelsurium von Irrlehren“

Dem Ökumenischen Kirchentag prinzipiell ablehnend gegenüber steht der Rektor der Akademie für Reformatorische Theologie, Pastor Wolfgang Nestvogel (Hannover). Wie er auf einem Treffen konservativer Evangelikaler – dem „Maleachi-Tag“ – am Himmelfahrtstag in Siegen vor über 400 Besuchern sagte, sei dieser Kirchentag ein „Sammelsurium von so ziemlich allen Irrlehren, die in Deutschland vertreten werden“. Er kritisierte, dass der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern sich einer Bewertung des Kirchentages enthalten und die Deutsche Evangelische Allianz sich ebenfalls bisher nicht kritisch geäußert habe. Nestvogel: „Nicht die unbiblische Haltung des Kirchentages hat sich verändert, sondern die evangelikale Bewegung, die im Gegensatz zu früher zum Kirchentag weitgehend schweigt.“

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