PROdigitalTV: Vielfaltsicherung als wesentliche Komponente einer neuen Rundfunkordnung

(satellifax) Um das Geschäftsmodell Hybrid TV, seine Chancen im Markt und die Anforderung an neue rechtliche Rahmenbedingungen geht es auf dem 17. Medienfrühstück von PROdigitalTV, das am 1. Juli 2010 in Hamburg stattfindet. Weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung wird die Frage sein, was nach Abschaltung des analogen Satellitensignals in den Kabelnetzen passiert. Wie reagieren die Netzbetreiber auf den Verlust des analogen Zugangssignals? Nutzen sie die Herausforderung zur Umstellung ihrer Geschäftsmodelle?

Beate Busch, Vorstandsvorsitzende von PROdigitalTV und Programmleiterin von Bibel TV, sieht in dem Aus der analogen Satellitenausstrahlung 2012 einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Digitalisierung erreicht. Dies, so Busch, markiere jedoch zunächst einen Teilerfolg auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung der TV-Haushalte. Das Kabel sollte dem Satelliten zwingend folgen, um den Mehrwert des digitalen TV-Empfangs für alle Haushalte nutzbar zu machen. „Eine Paketierung der Angebote im Kabel ist zwingend geboten um sie in ihrer Vielfalt für den Nutzer sichtbar – und damit empfangbar zu machen.“

Eine Rückwandlung des digitalen in ein analoges Signal in den Kabelkopfstationen wäre ein empfindlicher Rückschritt für die Digitalisierung. „Dann hätten wir mit der Abschaltung der analogen Satellitenausstrahlung einen Pyrrhussieg errungen,“ so Busch. Denn eine solche zeitlich nicht eingrenzbare Verzögerung der Digitalisierung ginge einmal mehr zu Lasten des Medienmittelstands.

Die Vielfalt der Anbieter und Angebote, die nur digital zu empfangen sind, würden auf diese Weise weiterhin aus dem Markt ausgegrenzt und gingen dem Verbraucher verloren. „PROdigitalTV appelliert mit hoher Dringlichkeit an eine konsequente und zeitnahe Umsetzung der uneingeschränkten Digitalisierung aller Verbreitungsplattformen,“ so die Vorstandsvorsitzende.

In Bezug auf die Vielfaltsicherung besteht mit Blick auf die Entwicklungen der Hybrid-Technologie laut Kai Flatau, Geschäftsführer von PROdigitalTV ebenfalls zeitnaher Handlungsbedarf. Auf einen Teil der Angebote, die aus dem linearen Fernsehen kommen, würden nach wie vor die Gesetze und Regularien des Rundfunkrechtes angewandt. Auf den Teil der Angebote, die sich aus dem World Wide Web rekrutieren, gälten diese Einschränkungen hingegen nicht. Daher sei vor dem Hintergrund der Zusammenführung von TV und Internet eine rundfunkrechtliche Neuregelung erforderlich, die alle Medienangebote gleichberechtigt mit einbezieht und auf einen einheitlichen Prüfstand stellt. “ Eine jährliche Fortschreibung des Rundfunkstaatsvertrages wie bisher kann den Herausforderungen dieser Entwicklung nicht gerecht werden, eben sowenig die reine Erstreckung des bisherigen Rundfunkrechtes auf hybride Angebote.“

Entscheidend für PROdigitalTV sei darüber hinaus, dass die Dominanz der großen Anbieter, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, nicht weiter zur Verdrängung kleiner mittelständischer Anbieter führen darf. Der Diskussionsbedarf der Marktführer mit ihren spezifischen Themen untereinander lenke von dem Anliegen kleinerer Anbieter ab, überhaupt eine Chance im Markt zu erhalten, so der Medienrechtler und Of-Council der Kanzlei Hogan Lovells. „Unsere Forderung ist daher ein offener, chancengleicher Zugang zu hybriden Plattformen – auch vor dem Hintergrund, dass die Rundfunkregelungen im Hybrid TV bislang nicht gelten. Dazu gehört auch die Standardisierung von Schnittstellen, um die Kosten für mittelständische Anbieter erträglich zu gestalten.“

PROdigitalTV – Interessengemeinschaft Digitale Medien e.V. – ist ein Zusammenschluss unabhängiger Unternehmen der digitalen Medienwirtschaft. Ziel von PROdigitalTV ist die Interessensvertretung und der Dialog zwischen digitalen TV-Sendern, Plattformbetreibern, Geräteherstellern, Händlern sowie Vertretern der Medienpolitik. www.prodigitaltv.de

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