Wieder viele interessierte Besucher beim Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte

(Weimarer Rendezvous) Gut besucht war am Wochenende das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte: Rund 1500 Besucher verzeichnete das nach dem Vorbild der französischen Partnerstadt Blois ausgerichtete Geschichtsfest, das 2011 bereits zum 3. Mal in Weimar stattfand. Diesjähriges Thema war „Gewaltmenschen. Menschengewalt“, wobei ein Schwerpunkt auf den Ländern des „Weimarer Dreiecks“ (Deutschland, Frankreich und Polen) lag.

Die 20 Vorträge und Podien waren durchweg sehr gut besucht; zu vollbesetzten Sälen führten besonders aktuelle Themen wie „Revolutionen“ und „Migranten“ sowie die Veranstaltungen zum Weimarer Dreieck, z. B. zur „Rolle der Diplomatie im Nahen und Mittleren Osten“. Die zahlreichen Besucher letzterer Veranstaltung erfuhren von Dr. Gunter Pleuger, Präsident der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und ehemaliger Staatssekretär beim Auswärtigen Amt:  „Die Spaltung der Europäer ist ein Problem für ihre Glaubwürdigkeit, (…) die zunehmende Isolation Israels könnte zur
Gefahr im Nahost-Konflikt werden“. Wege zur Lösung gewalttätiger Konflikte und zum Einüben demokratischer Prozesse wurden in dieser Veranstaltung aufgezeigt. „Gewalt wird in den Medien oft um ihrer selbst willen dargestellt“, behauptete Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius (Ludwig-Maximilians-Universität München) bei der Podiumsdiskussion „Medien und Gewalt“ – der französische Journalist
Fabian Perrier konterte: „Ich glaube, solche Bilder sind nötig, wenn sie dazu beitragen, beim Zuschauer ein Bewusstsein zur Situation zu schaffen“. Die Möglichkeit, nach den Vorträgen mit Fachleuten aus Politik und Wissenschaft zu diskutieren, wurde vom Publikum dankbar angenommen: „Wie wird sich die „Arabellion“ (Arabische Revolution) auf den Nahost-Konflikt auswirken?“, „Wie können wir Jugendliche vor gewaltsamen Bildern im Internet schützen?“ oder „Wie hat sich die Gewalt gegen Migranten in Frankreich, Deutschland und Polen in den letzten Jahren verändert?“ waren Fragen, die aus Besucherreihen an das Fachpodium gingen.

An allen Abenden gab es ein buntes Programm: Oberbürgermeister Stefan Wolf eröffnete den Samstagabend in Weimar West, wo Jugendliche im vollbesetzten Mehrgenerationenhaus die Ergebnisse ihrer Workshops zum Thema Gewalt (Streetdance, Streetwork, Figurentheater, Zirkus, Radio und Poesie) präsentierten. „Es geht nie um Gewalt, aber sie kommt oft vor“, erklärte eine Teilnehmerin des Poesie-Workshops mit der Berliner Rapperin Sookee. In dem Workshop schrieben die 11-14jährigen Jugendlichen einfühlsame Texte, beispielsweise in Form von Tagebucheinträgen von Gewaltopfern, die das Publikum sichtlich berührten.

Sookee, „Quing of Berlin“, rappte im anschließenden Konzert ihre Meinung – humorvoll, persönlich und engagiert trat sie gegen Homophobie und für mehr Toleranz und Komplimente ein. Ebenfalls auf großes Interesse stießen die kulturellen Abende im C-Keller, bei denen junge Menschen aus dem Iran, aus Israel/Palästina und Syrien in persönlicher Atmosphäre von ihren Erfahrungen berichteten.

Das Filmfest im Kino mon ami, das das Geschichtsfest mit seiner Reihe „Gewaltbilder.
Bildergewalt“ flankiert, wird noch bis zum 10. November thematisch passende Filme zeigen: neben aktuelleren Produktionen auch Klassiker wie „Arsen und Spitzenhäubchen“

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